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Ungarn - Deutschland (in Budapest) 0:3 (0:1) | 29.05.2010 Drucken
Freundschaftsländerspiel / Ferenc-Puskás-Stadion (14.000 Zuschauer)

Auf der Zielgeraden der WM-Vorbereitung trat die Nationalmannschaft. zu einem Freundschaftsspiel in Ungarn an. Was lag da näher, als ein Besuch im Ferenc-Puskás-Stadion mit einem netten Wochenende in Budapest zu kombinieren?

Mit Basti, Holgi und meiner Wenigkeit fuhr das gleiche Trio wie beim Trip nach Aserbaidschan, wo wir seinerzeit in einer zwar gastfreundlichen aber doch sehr unkomfortablen Absteige logierten. Daher ließen wir es diesmal krachen und gönnten uns zwei Nächte in einem zentral gelegenen Best Western. Der Abflug in Hannoi erfolgte am Freitag recht spät gegen 20h, wodurch man abwer wenigstens keine Überstunden verschwenden musste. Nach knapp 80minütiger Flugzeit erreichten wir die Donaumetropole und stürzten uns nach schnellem Check-in im Hotel auch gleich in die nicht erst-, auch nicht zweit- aber drittbeste Kneipe, wo man dank milder Temperaturen auch noch draußen sitzen konnte. Neben einheimischen Bieren wurde natürlich auch noch eine Gulaschsuppe verputzt. Auf der Straße flanierten derweil diverse Gruppen deutscher Anhänger, wobei das Spektrum von Neckermännern über normale Leute bis hin zu sportlich orientierten Gestalten reichte. Auch die Polizei kam öfter mal um die Ecke und suchte wohl die zuletzt genannte Gruppierung. In unserer Kneipe saß noch eine sehr seltsame Gruppe von Knallern, deren Oberkasper sich auch im 21. Jahrhundert nicht zu schade war, mit einem Brustbeutel über dem Trikot rumzulaufen.
Der Samstagvormittag wurde nach einem ausgiebigen Frühstück bei bestem Wetter zunächst für ein schnelles Kulturprogramm genutzt, wobei die nur die nötigsten Sehenswürdigkeiten abgegrast wurden, da man die Stadt schon vor sechs Jahren zu genüge besichtigt hatte.
Da wir keine Karten für das Spiel besaßen, fuhren wir schon früh gegen 16h zum früheren Nepstadion um die Lage zu checken. Der DFB in Vertretung seiner mitgereisten Ordner zeigte sich diesmal von seiner besonders unfreundlichen und unfähigen Seite. Mit dem Hinweis „es gibt keine Tickets ohne Voucher, der Gästeblock ist ausverkauft“ wurde man mehr oder weniger vom Hof gejagt. Man solle doch an den Heim-Kassenhäuschen sein Glück versuchen. Sehr geil, erst zieht der DFB seine restriktive Kartenpolitik durch, um Nicht-Fanclubmitglieder und andere unliebsame Elemente auszusperren, schickt diese dann aber an die Heimkassen. Angesichts des Volkes, welches man am Tage in der Stadt gesichtet hatte, war das definitiv der falsche Weg, man hätte wie z. B. beim letzten Spiel in Cardiff eine Tageskasse für Gäste bereitstellen sollen. Da wir früh dran waren, versuchten wir unser Glück an eine Heim-Kasse und bekamen von der älteren Dame natürlich 3 Tickets für den benachbarten Block. Dass diese nur einen Bruchteil dessen kosteten, was der DFB seinen Anhängern abknöpfte, muss man an dieser Stelle wahrscheinlich gar nicht mehr erwähnen. Kurz nach unserem Einkauf verdünnisierten wir uns mal ganz schnell, da eine Truppe ungarischer Polizisten heranrauschte und an den Kassenhäuschen eine Ansage machte, dass der Verkauf an Deutsche wohl einzustellen sei. Brachte natürlich auch nicht viel, da die deutschen Interessenten dann eben Einheimische zum Ticketkauf schickten.
Wir verbrachten die Zeit bis zum Anpfiff in einer Kneipe gelangten dann ohne Probleme mit unseren Karten in den Heimsektor. Das war uns natürlich zu langweilig und auf Nachfrage ließen uns zwei Ordner auch nur zu gerne durch zwei abgesperrte Tore rüber in den Gästeblock. Hier gab es sogar Bier, wenn man denn Lust hatte, sich an der stets mit mehreren Reihen belagerten Bude anzustellen. Ein Blick in Block bestätigte, dass auch das zum Teil recht üble Volk es offenbar ohne Probleme ins Stadion bzw. in den Block geschafft hatte. Die Stimmung bei diesem an Belanglosigkeit kaum zu übertreffenden Kick war ziemlich mies. Nachdem bei der ungarischen Hymne nicht gerade wenige Leute „Zick-Zack-Zigeunerpack“ skandierten, war mir persönlich auch ein wenig die Lust vergangen. Gegen einen gepflegten Asi-Mob habe ich ja im Prinzip nichts, aber mehr Respekt vor dem Gastgeber muss man schon haben.



In Ungarn schienen sich nicht wirklich viele Leute für das Spiel zu interessieren, die riesige Ostblock-Schüssel war mit 14.000 Besuchern nur spärlich besucht. Verpasst haben die Daheimgebliebenen jedoch wirklich nichts. Nach Spielende gab es noch die übliche Blocksperre, wobei man sich jedoch angeführt von der einheimischen Knüppelgarde etappenweise in Richtung Metrostation vorarbeitete. Den Abend ließen wir dann noch in einem viel zu lauten Pub und der Kneipe vom vorherigen Abend ausklingen.
Der Sonntag stand dann noch mal im Zeichen der Kultur und erst durch den einsetzenden Regen wurden wir gezwungen in einer wohlbekannten Kneipe am Moskauer Platz Zuflucht zu suchen. Mit Metro und Bus fuhren wir am Abend dann wieder raus zum Flughafen, wo mittlerweile sintflutartige Regenfälle niedergingen. Unser Flugplan wurde glücklicherweise eingehalten, so dass wir um halb 12 in der verbotenen Stadt landeten und nur eine Stunde später bereits wieder zu Hause waren.

 
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