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Frankreich - Deutschland (in Paris) 0:0 (0:0) | 12.11.2005 Drucken

Freundschaftsländerspiel / Stade de France Paris (58.889 Zuschauer)

Von der Partie AS Poissy - Pacy-sur-Eure kommend fuhren wir zurück in Richtung Paris. Das häufigste Wort im Autoradio auf der Fahrt nach Saint-Denis war „cocktails molotov“, welches auf die seit 2 Wochen schwelenden Unruhen in den Einwanderer-Wohnvierteln in den Vororten der französischen Großstädte zurückzuführen war. Für den heutigen Samstag war neben dem seit einer Woche geltenden Ausnahmezustand auch noch ein absolutes Versammlungsverbot verordnet worden. Dass ich ausgerechnet in Frankreich mal ein Spiel unter solchen Vorzeichen sehen würde, hätte ich nicht gedacht. Aber das Konzept der Regierung schien zumindest für diesen Abend aufzugehen. Es blieb lt. Presse überall ruhig und wir haben auch keine brennenden Autos sichten können. Am Stade de France parkten wir unsere Mietwagen für 20 Euro in die Tiefgarage unter dem Stadion, womit man sich auch keine Sorgen mehr um Randale oder cocktails molotovs machen brauchten.
Das Stadion ist im direkten Umfeld umgeben von Kinos, Einkaufszentren und Restaurants. Eine Bar direkt am Stadion trug den Namen "La Troisième Mi-Temps", was übersetzt „Die Dritte Halbzeit“ heißt. Nette Namenswahl für eine Bar in Stadionnähe. Hier gönnten Holgi und ich uns noch ein Bierchen für schmale 7 EUR!  Eine Stunde vor Spielbeginn enterten auch wir den schon von außen mächtig Eindruck machenden Ground. Drinnen konnte man sich erfreulicherweise sehr frei bewegen, so dass man sich das Stadion aus verschiedenen Blickwinkeln angucken konnte. Insgesamt bietet es knapp 80.000 Zuschauern Platz, wobei am heutigen Abend gut ein Viertel der Plätze leer blieb. Lag es am nasskalten Novemberwetter, oder zieht die deutsche Rumpeltruppe nicht mehr? :-) Die Sicht aufs Spielfeld ist jedenfalls in den beiden oberen Rängen sehr gut. Der Unterrang ist für meine Begriffe doch recht weit weg vom Spielfeld, was mit der Multifunktionsnutzung als Fußball- und Leichtathletikstadion zusammenhängt.
Da der DFB es auch diesmal wieder verlässlich wie ein Uhrwerk geschafft hatte, beim Bearbeiten der Kartenbestellungen Scheiße zu bauen, hatte es uns leider in den Mittelrang verschlagen, wo die Stimmung leider nicht an die auf den „billigen Plätzen“ im Oberrang heranreichte. Vor dem Spiel gab es auf Seiten der Franzosen eine kleine Choreo mit Luftballons und eine kleinere Aktion mit Papptafeln, die leider nicht zu entziffern war. Die große Blockfahne in Form des Nationaltrikots machte dann allerdings doch was her. Stimmungsmäßig wurde nicht viel geboten. Neben der nervigen Laola gab es kaum Gesänge. Lediglich zwei- oder dreimal wurde es bei „Allez-les-bleus“ richtig laut.
Das Spiel an sich war leider nicht besonders aufregend. Die junge Klinsmann-Truppe schlug sich wacker und kam auch zu einigen klaren Torchancen. Den Bock des Abends schoss dann Lehmann, als er nach der Pause in sein Tor rannte und fröhlich die französischen Fans grüßte. Der deutsche Mob war leider in der anderen Ecke der Kurve. Man sollte sich wirklich nicht nur nach den Zaunfahnen richten, Herr Lehmann! Macht aber auch nix. Der zweite Abschnitt war dann auch nicht mehr so interessant. Richtig aufregend wurde es dann nur im Unterrang unterhalb des Gästeblocks wo es über mehrere Minuten hinweg 2x zu Buffereien zwischen Franzosen und Deutschen kam, was sicherlich durch die Bewegungsfreiheit im Stadion begünstigt wurde. Das „beste“ Verhalten legten hier aber die Ordner und die Polizei an den Tag. Letztere tauchten gar nicht auf und die Ordner sorgten sich nur, dass die aus dem Block in den Innenraum flüchtenden Franzosen nicht aufs Spielfeld liefen. Im Block selber ließ sich aber wirklich absolut niemand aus den beiden genannten Fraktionen blicken sondern es wurde nur fröhlich zugeguckt.
Das Spiel endete letztlich mit einem torlosen Unentschieden. Darüber musste man echt froh sein, denn bei einem Sieg wäre in der Presse wahrscheinlich schon wieder vom Weltmeistertitel rumfantasiert worden Schon Schlimm genug, wie nach dem 0:0 alles schöngeredet wurde. Nach dem Spiel begaben wir uns fix zum Auto und kamen unerwartet fix aus dem Parkhaus. So waren wir gegen 1h im Formule 1-Hotel in Compiegne, wo es nach einigen Bierchen dann in die Falle ging. Für den Sonntag stand noch die Begegnung Bocholt - Schwarz-Weiß Essen auf dem Programm.

 
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