Finnland - Deutschland (in Helsinki) 3:3 (2:2) | 10.09.2008
2. Spieltag / WM-Qualifikation 2010 / Olympiastadion Helsinki (37.000 Zuschauer)
Nach einer dreijährigen Pause stand für mich auch mal wieder ein Länderspielbesuch auf dem Programm. Aufgrund des WM-Hypes und der Kartenpolitik der Mafia war mir zwischenzeitlich einfach die Lust daran vergangen. Da Finnland noch auf meiner Europakarte fehlte, war nun doch der Anlass für einen neuen Versuch gegeben.
Die Anreise erfolgte mit der irischen Low-Fare-Airline von Bremen nach Tampere, etwa 170km nördlich von Helsinki gelegen. Von dort aus wurde mit dem Auto in die finnische Hauptstadt weitergereist. Unser relativ preisgünstiges Quartier bezogen wir in einem vergleichsweise kleinen Hostel auf der Festungsinsel Suomenlinna. Diese ist mit einer Fähre der örtlichen Verkehrsbetriebe von früh morgens bis tief in die Nacht in etwa 15 Minuten zu erreichen. Nach dem Check-in zog es uns schnell wieder aufs Festland wo mehr oder weniger zielstrebig das erste einladend aussehende Pub geentert wurde (Sightseeing war schließlich erst für Donnerstag vorgesehen). Die Kneipe war auch schon ordentlich mit etlichen Deutschen Anhängern der Kategorie „normale Leute“ gefüllt und auch ein paar alte Bekannte wurden gesichtet (Gruß an Nina und Paul). Irgendwie scheinen die Leute magnetisch von bestimmten Kneipen angezogen zu werden. Trotz der hohen Getränkepreise (Pint für knapp 6 Euronen) verbrachte man hier einige Zeit, bevor wir uns nach einer kleinen Stärkung beim Goldenen M langsam auf den Weg in Richtung Stadion machten. Nach einem Bier in einer etwas seltsamen „Hard-Rock-Kneipe“ zog es uns zu einer Klitsche am Busparkplatz, wo auch noch eine Menge „normale Leute“ herumsaßen. Auf dem Stadion-Vorplatz betrachteten wir noch ein wenig das bunte Treiben. Nicht wenige Leute waren noch auf der Suche nach Karten, da die Mafia ihre Karten natürlich nur an Fanclubmitglieder mit Voucher abgab. Ich bin der festen Überzeugung, die würden die Karten eher verbrennen, als damit noch ein paar ohne Ticket angereiste Deutsche zu versorgen. Letztendlich gab der Schwarzmarkt aber anscheinende genug Karten her. Somit saßen etliche Deutsche verteilt im weiten Rund anstatt im Gästeblock, womit der DFB durch seine Politik genau das Gegenteil vom eigentlich gewünschten Effekt erreicht. Wir hatten über einen finnischen Anbieter Online-Tickets zum Selbstausdrucken (!) ergattert. Diese waren aus der gleichen Kategorie wie die Gästetickets, aber um etwa 10 Euro billiger, da der DFB seinen „tollen Anhängern“ noch zusätzlich 10 Euro Bearbeitungsgebühr abknöpfte. Vor den Toren des Stadions trafen wir auch noch eine andere Braunschweiger Reisegruppe, die uns freundlicherweise sogar noch einen Gin Tonic kredenzte. Erfreulicherweise konnten wir im Stadion ohne Probleme in den gut gefüllten Gästeblock gelangen, wo wir uns ein Plätzchen im Oberrang suchten. Ein großer Teil des Blocks war durch das ZDF-Studio belegt, in dem Olli Kahn seinen Einstand als „Experte“ gab. Die feinern Herren ließen es sich darin gut gehen, reichten leider keine Schnittchen nach draußen. Das Stadion war mit knapp 40.000 Zuschauern fast komplett gefüllt. In der gegenüberliegenden finnischen Kurve hatte sich ein Supportersblock gebildet, welcher zu Spielbeginn eine kleine Choreo zeigte und während des Spiels durch viel Gesang und einige gut anzusehende Hüpfeinlagen zu überzeugen musste. Nach dem verdienten 1:0 durch die Gastgeber wurde auch eine Bengalo gezündet, was von der Presse sicherlich als „südländische Stimmung im hohen Norden“ wahrgenommen wurde, während es auf deutscher Seite natürlich nur das Werk von „unbelehrbare Chaoten“ gewesen wäre. Insgesamt gingen die Finnen 3x in Führung, wobei es jedes Mal doch ansprechend laut im weiten und zur Hälfte unüberdachten Rund wurde. Die Finnen waren durchaus das aktivere Team und hätten mit etwas mehr Disziplin wahrscheinlich auch drei Punkte einfahren können. Die Deutsche Rumpeltruppe hingegen schaffte es immerhin, auf die drei Führungstreffer immer die passende Antwort zu finden und hätte am Ende fast noch das 4:3 erzielen können, was natürlich wieder mal typisch deutsch gewesen wäre. So war es aber am Ende für uns dennoch ein zufriedenstellendes Resultat. Was will man auch mehr erwarten, wenn man mit einem Hanno im Tor spielt? ;-) Die Stimmung im deutschen Pöbel fand ich heute eher unterdurchschnittlich, was vielleicht an der Verteilung über zwei Ränge lag. Vielleicht war es auch der Spielverlauf oder die zunehmende Kälte. Jedenfalls gab es schon bessere Auftritte. Besser als ein Heimspiel war es natürlich allemal. Sehr positiv hervorzuheben ist noch, dass wirklich alle Leute im Block standen und keine Knaller à la „Könnt ihr euch mal hinsetzen, wir haben Sitzplätze bezahlt.“ auffällig geworden sind. Nach dem Spiel ging wärmten wir uns noch bei Willi im Hotelzimmer auf, bevor man den Abend in der Hotelbar ausklingen ließ. Eigentlich hätte man in dem Nobelbunker wunderbar den Bettvorleger machen können, aber wir fuhren mit Taxi und Fähre brav zurück auf unsere Insel.
Nach einem Frühstück vor dem Inselsupermarkt ging es ein weiteres Mal mit der Fähre hinüber in die Stadt wo wir ein 3stündiges Touri-Programm absolvierten. Leider erinnert die Stadt an vielen Ecken an fiese Ostblockmetropolen, bietet aber dennoch einige sehenswerte Straßen und Örtlichkeiten. Neben der Tempelkirche ist sicherlich das Viertel rund um den Markplatz am Hafen zu empfehlen. Den Nachmittag verbrachten wird dann wieder in diversen Pubs, wobei man feststellen konnte, dass ein halber Liter aus der Dose ins Glas gekippt gerne auch mal 5,30 EUR kosten kann. Relativ früh am Abend ging es ein letztes Mal auf die Insel und nach einer kurzen Nacht machten wir uns um 6h morgens auf den Heimweg via Tampere/Bremen. Auch der Rückflug war schneller als geplant und so erreichten wir gegen 13h wieder die Heimat.