Vor dem endgültigen Beginn der Sommerpause stand diesen Sommer mit der Asienreise der DFB-Auswahl ein besonderer Leckerbissen auf dem Programm. Dank eines Hammer-Angebots von Emirates konnten die Flüge zu den beiden Spielen in Shanghai und Dubai für schmale 327,- EUR gebucht werden.
Am 26. Mai startete die vierköpfige Braunschweiger Abordnung mit Basti, Wolfram Schappi und meiner Wenigkeit von Hamburg nach Dubai. Der 6 1/2-stündige Ritt an Bord der spärlich besetzten Boeing 777-300 verging im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug, zumal das im Sitz integrierte ICE-Unterhaltungssystem eine herrliche Abwechslung bietet. Wer u. a. mal die UK No. 1 Hits der der letzten 50 Jahre hören möchte, dem sei ein Flug mit Emirates empfohlen. Nun folgte der unangenehme Teil der Anreise, denn von bis zum Weiterflug um 10:30h mussten wir nun 11 Stunden Zeit auf dem Dubai Airport totschlagen. Am Ende buchten wir uns für ca. 30 Euro in die Merhaba-Lounge ein, wo neben diversen Speisen auch Bier und Schnaps zur freien Verfügung angeboten werden. Die Investition lohnt sich, wenn man nicht die ganze Nacht auf einem der Metallsitze im Terminal abhängen möchte. Der knapp neunstündige Weiterflug nach Shanghai war leider voll bis auf den letzten Platz und wir Langnasen waren an Bord eindeutig in der Unterzahl. Immerhin konnte man sich so schon mal wieder an die Essgewohnheiten und Tischsitten der Chinesen gewöhnen. Nach der Landung durfte das Flugzeug nicht verlassen werden, da erst bei jedem Passagier eine Temperaturmessung durchgeführt wurde. Der Anblick der maskierten Ärzte war schon ein wenig beunruhigend, zumal auch noch zwei Passagiere herausgepickt wurden. Wer da auf dem neuen Quarantäne-Einreiseformular noch freiwillig „Halsschmerzen“ oder „laufende Nase“ angibt, ist selbst schuld. Um 1h am Morgen des 28. Mai erreichten wir dann endlich das Shanghai Hunan Hotel, welches für die nächsten sechs Nächte unsere Heimat sein sollte. Für 19 Euro pro Nase im Doppelzimmer bot dieses Hotel mit drei Sternen wirklich einen mehr als ausreichenden Komfort, wenn auch das chinesische Frühstück nicht jedermanns Sache ist. Wichtiger war die Lage, denn neben der Metrostation Honqiao Lu befindet sich nämlich auch die neue Wohnung von Andi in unmittelbarer Nähre. Der gute Mann arbeitet nun seit fast 4 Jahren in China und freute sich über die mitgebrachte Salami und eine Dose 5,0 im Deutschland-Look. Der restliche Donnerstag wurde dann für eine ausführliche Sightseeing-Tour genutzt. Leider ist die Fußgängerpromenade am Bund kurz vor unserer Ankunft komplett gesperrt worden, da man offenbar auch hier noch einmal für die Expo 2010 Hand anlegen wollte. Im Übrigen gleicht die ganze Stadt momentan einer riesigen Baustelle. Nachdem wir 2006 den Jin-Mao-Tower besucht hatten, ging es diesmal in das World Financial Center, welches einem gigantischen Flaschenöffner gleicht und in dessen Steg auf 470 Meter Höhe sich eine Aussichtsplattform befindet. Leider war die Sicht durch den obligatorischen Smog/Dunst etwas eingeschränkt, aber alleine der Glasfußboden war das Eintrittsgeld von 15 Euro wert. In den weiteren Tagen besuchten wir noch diverse Sehenswürdigkeiten wie den Oriental Pearl-Tower, den People Square und die Nanjing Lu. Am Sonntag ging es mit einem außerordentlich sauberen Zug ins östlich gelegene Suzhou, wo man nach einiger Lauferei in der Mittagshitze auch ein paar schöne Ecken fand. Die Abende wurden in einfachen Restaurants verbracht, wo uns zwar keiner verstand, aber das Essen grundsätzlich grandios schmeckte. Auch ein Ochsenfrosch wurde vertilgt, wobei die Pfoten keinen Abnehmer in unsere Runde fanden. Einmal wollte ein Chinese mit uns um die Wetter trinken, was für ihn natürlich ziemlich nach hinten losging. Man soll sich eben nie mit „Endgegnern“ anlegen. Insgesamt sei die einheimische Küche jedem, den es mal nach China verschlägt, wärmstens empfohlen, wenn auch die hygienischen Zustände in den nicht von Touris angesteuerten Gaststätten manchen Gesundheitsinspektor in den Wahnsinn treiben würden.
Am Freitagabend fuhren wir mit dem Taxi zum riesigen Shanghai Stadium, auf dessen Vorplatz Basti aus über 100 Meter Entfernung zwei bekannte Gestalten aus Braunschweig sichtete: „Da hinten sind zwei karierte Hemden, das müssen die Teamchefs sein.“ Waren sie dann auch! Beide waren etwas nervös, da sich in den nächsten Stunden entscheiden würde, ob die geplante Reise nach Nordkorea stattfinden würde. Das Stadion war erwartungsgemäß nur zu etwa einem Viertel gefüllt. Die Kartenpreise waren für chinesische Verhältnisse einfach viel zu hoch angesetzt. Somit waren die Anhänger der deutschen Mannschaft heute wohl in der Überzahl, zumal auch viele Chinesen in Deutschlandtrikots gesichtet wurden. Der deutsche Block war bei dieser Begegnung relativ seltsam zusammengesetzt, da wenige „normale Leute“ aus Deutschland angereist waren und die deusche Community aus Shanghai die meisten „Gästefans“ stellte. So glich das ganze dann auch mehr einem Heimatabend oder einer ins Stadion verlegten Fanmeile. Neben Aufsteck-Iros wurden auch Dirndl gesichtet und man wähnte sich eher beim Karneval. Die Stimmung entsprach dem mehr als lahmen Gewürge auf dem Rasen und am Ende war man froh, dass der Kick endlich vorbei war. Nach dem Spiel traf man sich vor einem Supermarkt noch mit der Mannheimer Abordung auf ein paar Bier bevor man sich zur Tongren Lu begab und noch ein wenig Wolframs Geburtstag feierte.
Am letzten Abend unternahmen wir noch eine Bootsfahrt auf dem Huangpu, um wenigstens einmal einen ungestörten Blick auf die Skyline Pudongs genießen zu können. Die Beleuchtung der Hochhäuser hat noch zugenommen und bietet immer wieder einen atemberaubenden Anblick! Im Hotel tranken wir noch ein Abschiedsgläschen mit Andreas, der in Shanghai zurückgelassen wurde, während wir uns auf den Rückweg nach Dubai machten, um das zweite Spiel der DFB-Asienreise zu besuchen.