Rayo Vallecano Madrid - USD Las Palmas 1:2 (0:1) | 19.06.2004
Segunda Division Spanien / Campo des Vallecas in Madrid (7.000 Zuschauer)
Nach unserem letzten EM-Spiel Bulgarien - Dänemark und einer ruhigen Nacht auf der wahrscheinlich saubersten Raststätte zwischen Madrid und Porto ging es weiter in Richtung der spanischen Hauptstadt, deren Ausläufer wir gegen Mittag erreichten. Trotz eines Minimums an zur Verfügung stehenden Informationen schafften wir es erfreulicherweise auf Anhieb das Stadion von Rayo Vallecano zu finden, wo heute der 42. und letzte Spieltag der Segunda Division angepfiffen werden sollte. Die Kassen sollten erst gegen 17:30h öffnen und so überbrückten wir die Zeit mit Einkaufen und einem Besuch bei Burger King (dem ersten auf der ganzen Tour!!!). Gegen 17h bezogen wir Quartier in einer Kaschemme direkt neben dem Ground, der sich mitten in einem Wohngebiet befindet. Selbst von der Toilette aus konnte man auf die Ränge blicken. Ach ja die Toilette.... Kennt ihr den Film "Desperado"? Oder "Trainspotting"? Nehmt beides zusammen und potenziert es mit der Unendlichkeit. Dann habt ihr eine ungefähre Vorstellung. Aber lassen wir das. Jedenfalls war es ein Grund, die Frage, ob wir etwas essen möchten, freundlich aber entschieden zu verneinen! Aber später bekamen wir dennoch eine kleine Sammlung von Gürkchen und Oliven auf den Tisch geknallt. Um ihn nicht zu beleidigen, mussten wir jetzt natürlich auch was essen. Naja, es ist jedenfalls noch mal gut gegangen. Der Wirt war offensichtlich so erfreut, dass er uns pünktlich zu Beginn der Partie Deutschland - Lettland den Fernseher in unserem Teil der Kneipe etwas lauter stellen wollte. Eigentlich unnötig, denn es war laut genug und spanisch kann eh keiner von uns. Außerdem hatte er bei dem altersschwachen Gerät schon lange genug gebraucht, um überhaupt den Sender zu finden. Aber wer wollte ihm das erklären? Also ließen wir ihn machen. Leider hatte das gute Gerät wahrscheinlich schon die Mondlandung live übertragen und es weigerte sich standhaft, sich in irgendeiner Form verstellen zu lassen. Der Wirt fing nun an, leicht gegen das Gerät zu schlagen, was zur Folge hatte, dass es zwar nicht lauter wurde, dafür aber der Sender verschwand. Die Schläge wurden nun ziemlich massiv und er musste alle 10 Sekunden die Glotze wieder verschieben, da sie sonst vom Regal gekracht wäre. Irgendwann waren Bild und Ton endgültig im Frequenz-Nirwana verschwunden und er gab nun mittlerweile ziemlich verschwitzt auf, verfluchte das Gerät noch mal und bat uns am anderen Fernseher Platz zu nehmen. Ein Argument für die Aufgabe war aber sicherlich auch seine Frau, welche die ganze Zeit über aus der Küche heraus kreischte, er solle mit dem Lärm aufhören (wir vermuten zumindest, dass sie sinngemäß so etwas gesagt haben wird.
Letztlich war der ganze Aufwand völlig unnötig, den eigentlich war es das Spiel nicht Wert, überhaupt angeguckt zu werden. Jedenfalls verließen wir gegen 19:50h die Kneipe um gegen 19:51h das Stadion zu betreten. Also die Lage der Kaschemme ist wirklich ein Traum gewesen....
Das Stadion erwies sich als kleines, wenn auch etwas in die Jahre gekommenes Schmuckstück. Es handelt sich um einen Allseater, der neben zwei relativ hohen Tribünen mit nur einer Fan-Kurve aufwarten kann. Hinter dem anderen Tor befinden sich neben ein bisschen Werbung gleich ein paar Wohnblöcke, von deren Balkonen man eine hervorragende Sicht auf das Spielfeld herrscht. Der heutige Gast aus Las Palmas stand schon als Absteiger aus der 2. Liga fest, während der Gastgeber sich noch theoretische Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen durfte. Leider wurde relativ schnell klar, warum beide Mannschaften im Tabellenkeller zu Hause waren. Es war ein grottiges Gegurke, bei dem las Palmas etwas besser aussah. Das lag wahrscheinlich daran, dass es für sie ja bereits um nichts mehr ging.
Nach ungefähr 60 Minuten, es stand immer noch 1:0 für die Gäste, hatte dann auch der harte Kern der Rayo-Anhänger die Schnauze voll. Die "Bukaneros" und alle anderen aus dem Fanblock schnappten sich ihre Fahnen und gingen kommentarlos. Sie bekamen nicht mehr den Ausgleich ihres Teams mit, nach dem zumindest für kurze Zeit mal so etwas wie Stimmung im Stadion aufkam. Damit war es nach der erneuten Gästeführung dann auch schnell vorbei.
Wir suchten nach dem Spiel schnell das Weite, denn wir wollten schließlich noch weiter in Richtung Andorra, wo am nächsten Tag das UI-Cup-Erstrundenspiel Sant Julia de Loria - FK Sartid als I-Tüpfelchen unserer Tour auf dem Programm stand.