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Schweiz - Kroatien 0:0 (0:0) | 13.06.2004 Drucken

EURO 2004  Vorrunde / Estádio Municipal Dr. Magalhães Pessoa in Leiria (24.000 Zuschauer)

Nachdem die schier endlose Zeit zwischen Kartenbestellung und dem Beginn der Euro2004 erst gar nicht verstreichen wollte, ging es am Ende doch ganz schön schnell und der Tag der Abreise (10.6.)war gekommen. Togy fuhr Holgi, Andreas und mich freundlicherweise nach Hildesheim, wo wir unseren fahrbaren Untersatz für die nächsten 12 Tage in Empfang nahmen: Ein Dethleffs-Wohnmobil, dessen Motor-Sound je nach Drehzahl an einen Trecker oder auch an einen alten Käfer erinnerte. Nach letzten Einkäufen ging es um 14h schließlich los in Richtung des südwestlichen Endes Europas. Gegen 18h passierten wir bei Aachen die Grenze um kurz darauf die schmerzliche Erfahrung zu machen, dass die Tankstellendichte im Herkunftsland der Pommes Frites nicht allzu groß ist. Es ist aber noch mal gut gegangen, denn man kann auch auf der Autobahn sehr sparsam fahren und rollend die nächste Tanke erreichen (60 km/h, sehr zur Freude der uns überholenden LKW-Fahrer). Nach dieser Schrecksekunde wurde beschlossen, den Tank nie mehr als zur Hälfte leer zu fahren. Schließlich umrundeten zu mitternächtlicher Stunde noch Paris und schlugen unser Nacht-Quartier auf einem Parkplatz bei Étampes auf. Der zweite Reisetag verlief relativ unspektakulär, jedoch wurde die Landschaft nachdem wir San Sebastian hinter uns gelassen hatten merklich schöner. Wir fuhren schließlich bis Zamora, wo wir die zweite Nacht verbrachten.


Gegen 11h Ortszeit erreichten wir die Grenze zum EM-Gastgeberland, wo wir in einem kleinen Kaff wie erwartet von der Polizei kontrolliert wurden. Nachdem wir diese Hürde problemlos gemeistert hatten, hieß es auf nach Braga , wo noch Tickets auf uns warteten, die ich noch kurz vor der Abreise bestellt hatte. Die Fahrt führte uns den bergigen Norden Portugals. Am frühen Nachmittag erreichten wir Braga, wo wir nach dem Abholen der Tickets einen ersten ehrfürchtigen Blick auf das wohl skurrilste aller EM-Stadien werfen konnten und die Vorfreude auf die Partie Dänemark-Bulgarien deutlich stieg. Aber dazu an entsprechender Stelle mehr. Für die Nacht bezogen wir Quartier an einem Campingplatz am Atlantik, der wie erwartet saukalt war. Auf dem zu 95% von Portugiesen belegten Platz sahen wir uns dann im Kreise der Einheimischen das Eröffnungsspiel dieser Euro an. Das Bier vom Fass gab's für schlanke 0,70 EUR. Was will man mehr? Es kam, wie es kommen musste. Der Auftaktsieg von Rehakles Griechen war wie ein Keulenschlag für die von einer riesigen Euphorie und hohe Erwartungshaltung geprägten Gastgeber. So wich die vorher so freudige Stimmung auf dem Campingplatz einer grenzenlosen, kollektiven Trauer. Was für ein Auftakt. Schließlich legten wir uns ab, denn die Anfahrt von 2600km war nicht ganz spurlos an uns vorbei gegangen.
Am nächsten Tag ging dann auch für uns die EM richtig los. Zügig legten wir die 200 km nach Leiria zurück, wo wir direkt am Stadion unsern Trecker abstellten. Danach ging es erstmal in auf zur Stadtbesichtigung. Ein wirklich nettes verschlafenes Städtchen, auf dessen Straßen man an jedem anderen Sonntag im Jahr wahrscheinliche noch nicht einmal einen Straßenköter gesehen hätte. Aber heute war das natürlich alles anders. Die Stadt wurde belagert von gut 25000 Kroaten und Eidgenossen, welche sich die Zeit vor dem Spiel mit exzessiver Druckbetankung vertrieben. Eigentlich keine gute Idee, denn es herrschte wirklich eine heftige Hitze und die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel.
Wir entschlossen uns trotz der Gluthitze für einen Spaziergang auf den Berg hinter dem Stadion, auf dem eine alte Burg steht. Leider war diese an Spieltagen geschlossen, was natürlich keiner beim Runtergehen den Hinaufsteigenden erzählte. Sollen sich die anderen da doch auch für nix hoch schleppen. Da man aber aus der "Stadionwelt" wusste, dass man von dort wunderbar das Stadion fotografieren kann, entschlossen wir uns für eine kleine Klettertour unterhalb der Burgmauer. Es hat sich gelohnt. Einige schon leicht angedichtete Schweizer machten uns die Tour dann auch gleich nach. Ob sie aus dem Berg zurückkehrten ist unbekannt.

 Schließlich gingen wir ins Stadion wo wir zum ersten Mal die angekündigten Sicherheits-kontrollen über uns ergehen lassen mussten. Und tatsächlich: Sogar unsere Feuerzeuge waren wir nach der Prozedur los. Dieses Schicksal teilten eine Menge anderer Leute, sehr zur "Freude" einer Eidgenössin, welche erstmal dem halben Block Feuer geben durfte. Unsere Plätze befanden sich auf einer rieseigen, provisorischen Stahlrohrtribüne, welche nach der EM abgerissen wird, da das Stadion erst dann endgültig fertig gestellt wird, und zwar in Gestalt eines Leichtathletikstadions. Zum Glück lagen unsere Plätze bereits im Schatten, sonst wäre man wohl eingegangen. Das Spiel war mehr oder weniger mau. Die kroatischen Gesänge klangen äußerst martialisch, wogegen die Schweizer mit ihrem niedlichen "Hopp Schwiiz" natürlich nicht anstinken konnten. Die Schweizer verloren zu Beginn der 2 Hälfte einen Spieler durch die Ampelkarte (nicht das letzte Mal bei diesem Turnier). Danach spielten sie fast besser als in den 45 Minuten zuvor. Unterm Strich blieb es ein langweiliger Kick. Kein schöner Einstieg in die Euro für uns. Nach dem Spiel traf man sich noch mit Freunden von Holgi und man gönnte sich bei einigen Bieren das andere Gruppenspiel des Tages, in dem die Engländer mal wieder bewiesen, dass sie keine Elfmeter schießen können.
Danach ging es noch mit dem Auto in Richtung Lissabon, vor dessen Toren wir auf einer gemütlichen Autobahnraststätte pennten. Dort stand am nächsten Tag die Partie Schweden - Bulgarien auf dem Programm.

 
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