Übersicht arrow Groundhopping intern. arrow Griechenland arrow AEK Athen - Aris Saloniki 0:1 (0:1) | 12.04.2009
AEK Athen - Aris Saloniki 0:1 (0:1) | 12.04.2009 Drucken
29. Spieltag / Super League Griechenland / Olympiastadion "Spiros Louis" (13.847 Zuschauer)
 
Zum diesjährigen Osterfest sollte erstmals ein Spiel in Griechenland besucht werden. Die Wahl fiel auf ein Heimspiel von AEK Athen, so dass bei einem dreitägigen Trip  auch das Kulturprogramm nicht zu kurz kommen würde.
Am Ostersamstag folgen Holger und meine Wenigkeit mit Easyjet von Schönefeld zum  neuen Hauptstadtairport Griechenlands. Dieser besitzt normalerweise einen direkten Innenstadtanschluss via Metro. Diese wurde allerdings zur den Olympischen Spielen 2004 in aller Eile halbfertig gebaut, wobei  man einige Haltestellen einfach wegfallen ließ. Diese werden nun nachträglich gebaut weshalb die Metro den Flughafen momentan nicht bedient. Deshalb mussten wir  mit dem „Express“bus in die Innenstadt gurken. Bei den rund um die Uhr chronisch verstopften Straßen war dies mit einer Stunde Fahrzeit wahrlich kein Vergnügen.
Das Hotel Epidavros entpuppte sich als akzeptable Herberge, in der man es ohne Probleme ein paar Tage aushalten kann. Sauber, ausreichendes Frühstück und sogar kostenloses WLAN. Unweit vom zentralen Omonia-Platz gelegen, konnte sogar das Altstadtviertel „Plaka“ zu Fuß erreicht werden. „Omonia“ heißt auf Deutsch übrigens ungefähr so viel wie „Einheit“. Angesichts des lichtscheuen Gesindels, welches dort nach Einbruch der Dunkelheit herumlungert, wäre auch „Heroin“ eine passende Übersetzung. Zu allem Überfluss wurde vor dem Hotel aufgrund eines Schadens auch noch die  Straße aufgerissen was in den ersten beiden Nächten zu einer nicht unerheblichen Lärmkulisse resultierte.
Unbeeindruckt davon starteten wir am Sonntag Teil 1 des Kulturprogramms. Neben der Akropolis wurden noch ein paar weitere Ruinen und das Plaka-Viertel besucht. Alles in allem nicht so der Bringer, aber da gibt es sicher andere Meinungen. Mit der Metro wollten wir am Nachmittag dann schnell und bequem zum Olympiastadion fahren. Allerdings machten uns auch hier die Verkehrsbetriebe einen Strich durch die Rechnung, da für zwei Tage insgesamt fünf Stationen gesperrt wurden. Die Lücke wurde mit Busersatzverkehr überbrückt und somit kamen wir in den Genuss einer 45minütigen Stop-and-go-Stadtrundfahrt. In den Athener Bussen ist das Telefonieren übrigens verboten, was eine Frau an Bord aber nicht weiter störte. Einem älteren Mann vor uns missfiel das Gespräch offensichtlich sehr, denn er begann lautstark damit, die Dame nach(!) ihrem Telefonat ordentlich zu belegen. Nach und nach mischten sich immer mehr Passagiere ein, wobei einigen sich einige offenbar mehr über die Pöbeleinen des Mannes als über das Telefonat aufregten. Nach ein paar Minuten schrie dann so ziemlich der ganze Bus durcheinander und auch die Mitreisenden ohne Griechisch-Kenntnisse hatten so großen Spaß an der Fahrt.
Im Anschluss ging es dann mit der Metro weite zum Olympiagelände, welches einen ziemlich verlassenen und trostlosen Eindruck macht. Im Gegensatz zum schönen Olympia-Park in München hat  das Gelände das Ambiente eines Ikea-Parkplatzes. Für 25 Euro erwarben wir Tickets vertrieben uns die Zeit bis zum Spiel vor einer Bar an der Metrostation. Durch die nach und nach eintreffenden AEK-Fans füllte sich das Gelände nun langsam mit Leben und auch wir begaben uns zum Olympiastadion. Selbiges wurde für die Spiele 2004 renoviert und erhielt eine spektakulär  anmutende Dachkonstruktion, deren Funktionalität bei Wind und Regen aber eher eingeschränkt sein dürfte. Schön aussehen tut es aber trotzdem allemal. Im Stadion wurden wir direkt an den Blockeingängen abgetastet, wobei die Kontrollen eher halbherzig waren.
Nach offiziellen Angaben waren heute um die 13.000 Zuschauer im Stadion, wobei es nach unserer Einschätzung nach mehr aussah. Der Anblick war aber dennoch  trostlos, zumal z.B. der Oberrang der Haupttribüne komplett gesperrt war. Der harte Kern der AEK-Anhänger hat seine Heimat unter der Anzeigetafel der Westkurve. Gästefans waren keine auszumachen, auch nicht als Aris nach 22 Minuten mit 1:0 in Führung ging. Die Heimkurve lieferte fast durchgehend einen sehr geilen Dauersupport ab, wobei man sich auf drei oder vier Lieder beschränkte. Hin und wieder ließ sich auch die Gegengerade mitreißen, womit es dann stellenweise Richtig laut wurde. Nach der Halbzeitpause brannten dann auch fast pausenlos Bengalos und es wurden teilweise beängstigend laute Böller auf der Laufbahn gezündet. Überbleibsel von Silvester waren die Teile mit Sicherheit nicht. Gegen Ende des Spiels wurde dann noch eine Fahne präsentiert und schließlich abgefackelt. Dass dabei auch ein paar Sitzschalen Feuer fingen störte hier weiter niemanden. Keine Ordner, keine Polizei oder zumindest ein paar Feuerwehrleute betraten den Block. Aus deutscher Sicht unvorstellbar, aber hier halt völlig „normal“. Die Rückfahrt mittels Metro, Ersatzbus und wieder Metro verlief halbwegs stressfrei und den Abend ließen wir wie am Vortag in einer bulgarischen Kaschemme in Hotelnähe ausklingen.



Am Montagvormittag machten wir noch einen Abstecher nach Piraeus, wo es allerdings außer Hafen nicht wirklich viel zu sehen gibt. Immerhin ist die Fußgängerzone etwas schöner als die in Athen. Am Nachmittag ging es dann noch mit der Standseilbahn auf den Lykabettus, eine knapp 300 Meter hohe Erhebung in der Mitte Athens. Die Aussicht war fantastisch und angesichts des herrlichen Wetters wurde der erste Sonnenbrand des Jahres eingefahren. Den letzten Abend verbrachten wir in einer etwas nobler anmutenden Taverne, die gar nicht so recht in das heruntergekommene Viertel passen wollte. Immerhin gab es Bier vom Fass und zu fortgeschrittener Stunde wurden wir vom Wirt sogar noch auf einen kleinen Imbiss eingeladen. Vor dem Rückflug am Dienstag wurde dann noch schnell die Markthalle besichtigt, welche aufgrund ihres versifften Zustandes aber z.B. nicht mit ihrem Pendant in Barcelona mithalten kann. Im Anschluss quälten wir uns eine Stunde mit dem Bus hinaus zum Flughafen, wo wir die Zeit bis zum Abflug im ziemlich karg eingerichteten Wartebereich verbrachten. Nach dem Passieren der Sicherheitskontrolle gibt es leider keine Geschäfte oder Restaurants mehr. Beim Boarding zeigte sich einmal mehr, dass es immer noch zu viele Honks gibt, die das Procedere der Billig-Flieger nicht verstanden haben. Manchen Leuten sollte man das Fliegen echt verbieten.
Alles in allem hat sich die Tour für das Spiel gelohnt, die Stadt Athen muss man aber meiner Meinung nach nicht wirklich gesehen haben. Es gibt schönere Ecken in Europa!