Nach relativ ereignisloser Fahrt vom Zweitligakick Rayo - Las Palmas i n Madrid und einer Übernachtung irgendwo bei Zaragossa führte uns unsere Rückfahrt nun immer dichter an die Pyrenäen heran und lies das öde spanische Inland schnell in Vergessenheit geraten. Auf einer kurvenreichen, aber landschaftlich wirklich wunderschönen Strecke erklommen wir so einige Höhenmeter, denn die tiefen Gegenden Andorras liegen auf ca. 1000m. Am frühen Nachmittag überquerten die die Grenze und so ziemlich schnell wurde mir klar, dass Andorra auf keinen Fall so ist, wie ich es mir vorgestellt hatte. In Erwartung von ein paar verschlafenen Käffern wurde man überrascht von an die Felswände geklatschten Hochhäusern und unzähligen Einkaufszentren. Andorra hat außerdem wahrscheinlich die höchste Tankstellendichte des Planeten (Diesel 0,61 EUR).
Zuerst steuerten wir St. Julia an, wo der heutige Gastgeber heimisch ist. Auf dem Kunstrasenplatz des dortigen Stadions werden übrigens alle Spiele der andorranischen Meisterschaft ausgespielt. Für uns hieß es aber weiter in Richtung Hauptstadt Andorra-la-Vella, wo wir uns auf die Suche nach dem Städtischen Stadion machten. Der Ausschilderung folgend stießen wir auf ein kleines Stadion mit Rasenplatz. Aber was war das: Der Platz war nicht gekreidet und nur mit Rugby-Toren ausgestattet. Schock! Nach unseren Informationen gab es nur einen Rasenplatz in Andorra, aber auf dem sollte heute ganz sicher kein Fußball gespielt werden. Schließlich fuhren wir etwas nervös die Straße weiter und nach einen halben Kilometer sahen wir ein paar UEFA-Flaggen im Wind flattern (hätte nie gedacht, dass man sich über die Mafia-Fahnen mal freuen würde). Und tatsächlich: es war das gesuchte Stadion Municipal. Wir stolperten sogleich ins Vereinsheim, wo es uns nach einigen Schwierigkeiten auch gelang, Karten für das Spiel zu erwerben. Schwierigkeiten aber nicht, da es ausverkauft war, sondern weil hier wahrscheinlich 2 Stunden vor Spielbeginn normalerweise keine Sau nach Karten fragt. Im riesigen Plasma-Bildschrim der Kneipe (der Fernseher wahr mehr Wert als die gesamte Einrichtung) sahen wir im spanischen Nachrichten-TV Bilder von Ausschreitungen von Fußballfans. Und seltsam, die Trikots kamen uns irgendwie bekannt vor. Und tatsächlich, es handelte sich um Rayo-Anhänger, die in der Nacht nach dem Spiel Spieler-Autos entglasten. Sehr schön anzusehen dabei, waren die weiblichen Anhänger, die ihren Freunden in nichts nachstanden und mit ihren Stöckelschuhen ordentliche Beulen in die Karren kloppten. Der Rayo-Kapitän stellte sich den Fans, wurde aber vor Kamera bepöbelt und geschubst, worauf er mit einem gezielten Faustschlag einen Anhänger niederstreckte. Das war den Leuten vom Fernsehen eine schön anzusehende Zeitlupe wert.
Nun aber wieder zum heutigen Spiel. Eine halbe Stunde vor Spielbeginn betraten wir den Ground und wurden erstmal intensiv kontrolliert und abgetastet. Nach kurzer Rücksprache mit den Offiziellen durfte ich die Absperrung überschreiten und einen Rundgang durch die Arena machen. Von der Trainerbank aus hatte man einen atemberaubenden Blick auf die Berge, die sich hinter der Tribüne in die Höhe erhoben. Schließlich nahmen wir Platz auf der sogar überdachten Tribüne und nahmen das anwesende Publikum unter die Lupe. Alles begrüßte sich mit Küsschen und reichte sich gegenseitig die mitgebrachten Kinder/Enkel/Nichten/Neffen auf den Arm. Es kannte jeder jeden. Kein Wunder, dass man uns kontrolliert hatte. Wir passten hier einfach nicht dazu. Über das Spiel muss man nicht viel erzählen. Das 8:0 für die Gäste geht auch in dieser Höhe völlig in Ordnung. So ging ein sehr familiär geprägter und stets unterhaltsamer Fußballnachmittag zu Ende.
Auf dem Weg in Richtung Frankreich wurde der Tank noch mal bis zum Anschlag gefüllt und dann ging es hinaus aus Andorra. Aber welchen Weg nehmen? Den mautpflichtigen Tunnel oder über den Pass fahren? Wir zogen in unserem jugendlichen Wahnsinn natürlich die zweite Option. Und so ging es über eine immer schmaler und kurvenreicher werdende Straße immer höher und höher. Ein Thermometer, welches wir passierten, zeigte zauberhafte 2 Grad an (immerhin über null). Die vorbeiziehenden Schneefelder wären sicherlich ein Foto Wert gewesen, wären wir nicht innerhalb der Wolkendecke gewesen, was die Sicht auf ungefähr 5 Meter reduzierte. So krochen wir den Berg bis Weit über 2000 Meter hinauf und einigten uns darauf, nicht darüber nachzudenken, was es mit der durchbrochenen Leitplanke an der vorherigen Kurve auf sich hatte.
Irgendwann ging es dann doch wieder bergab und wir erreichten Frankreich, wo uns die nächsten 100km auch noch durch sehr bergiges Terrain führten. Der Schnitt von 30 km/h konnte somit gehalten werden! Die Nacht verbrachten wir hinter Carcassonne, wo man im Vorbeifahren die nett angestrahlte mittelalterliche Festung bewundern konnte. Die Etappe des nächsten Tages brachte uns bis Denzlingen (Freiburg), wo wir im "Humpen" das Match der Kroaten gegen England verfolgten. Ab Dienstag, den 22. Juni erreichten wir dann wieder die Löwenstadt und eine wirklich ungeheuer unterhaltsame wie aufregende Tour fand nach 6600 km ihr Ende.
Bleibt eine abschließende Frage:
Wie weit ist es eigentlich mit dem Wohnmobil bis nach Südafrika.....?