Zum Abschluss der Saison stand heute der letzte Spieltag in der Verbandsliga Sachsen-Anhalt auf dem Programm. Es sollte in die Berg- und Rosenstadt Sangerhausen gehen, wo heute Lok Stendal zum Aufstiegsendspiel beim beheimateten VfB gastierte. Die Stendaler benötigten nur einen Sieg um aus eigener Kraft in die Oberliga Nordost aufzusteigen. Jaja, wie einfach das immer klingt, „nur“ noch einmal gewinnen, und man ist aufgestiegen. Man hatte ja letzte erst letzte Woche mit der Eintracht erleben müssen, wie nervenaufreibend diese Spiele sein keinen. Umso besser, dass man heute mal ganz entspannt zugucken durfte.
Die Hinfahrt mit dem Asi-Ticket ging über Magdeburg, wo kurz nach uns der Zug aus Stendal eintraf. Anhand des sich daraus ergießenden Mobs war klar, dass es Lok an Unterstützung nicht fehlen würde. Wir suchten uns im Anschlusszug dann auch gleich ein Plätzchen am anderen Ende, wo man seine Ruhe hatte. In Sangerhausen warteten wir zunächst ein Weilchen auf dem Bahnsteig, bis der Mob sich seinen Weg durch die Gleisunterführung gebahnt hatte und auf dem Vorplatz von der Polizei in Empfang genommen wurde. Kurze Zeit später machten auch wir uns auf den kurzen Fußweg (aber erst, nachdem wir das Wandmosaik in der Bahnhofshalle bewundert hatten).
Am Stadion trennten sich kurzeitig unsere Wege. Die beiden Pressevertreter gingen schon hinein, während Andy, Holgi und ich noch die Vereinsgaststätte besuchten. Dieser Gang war auf jeden Fall lohnenswert, erfüllte der Laden doch so ziemlich jedes Klischee. Bei gepflegtem Mammut Pils kamen wir noch mit zwei Stendalern ins Gespräch und verkürzten uns so die Zeit bis zum Anpfiff.
Das Stadion bietet eine kleine überdachte Tribüne und eine mit Stufen befestigte Gegengerade. Die Kurven sind mit Gras bewachsene Wälle. Die Gästefans stellten heute gut ein Drittel der Zuschauer und waren stimmungsmäßig klar überlegen. Ein wenig Rauch gab es zu Beginn auch und dann konnte das denkwürdige Spiel auch schon beginnen. Lok war in der ersten Hälfte klar überlegen und ging auch verdient mit 1:0 in Führung. Mit diesem Zwischenstand ging es dann auch in die Pause. Im zweiten Abschnitt schalteten die Gäste allerdings einen Gang zurück, anstatt den beruhigenden 2. Treffer zu erzielen. Sangerhausen nahm diese Einladung gerne an und erarbeitete sich in der Folge Chancen um Chancen. Für die Gastgeber, die bis vor ein paar Wochen selbst noch Aufstiegschancen hatten, ging es ja um nichts mehr, aber davon war nichts zu merken. Verdientermaßen fiel dann auch der Ausgleich, sehr zum Missfallen des Lok-Anhangs und zum Nachteil einiger Werbebanden. Glücklicherweise ging Stendal nur wenige Minuten später erneut in Führung und der Aufstiegslok im Gästeblock nahm wieder Fahrt auf.
Aber es kam natürlich ganz anderes: kurz vor dem Abpfiff erzielte Sangerhausen aus abseitsverdächtiger Position das sicher nicht unverdiente 2:2. Jetzt ging natürlich gar nix mehr. Über 30 Leute stürmten auf den Platz und einige auch darüber hinaus in den Heimblock und begannen wüste Kloppereien. Ein Kracher blieb noch höflich vor der Bande stehen und fragten „Och mennoh, will sich denn keener schlagen?“ Das Spiel wurde dann auch endlich mal unterbrochen und die völlig überforderte Polizei versuchte die Scharmützel in den Griff zu bekommen. Leider waren die paar Ordnungshüter immer genau am falschen Ende des Stadions und probierten es zum Teil damit, auf die Randalebrüder einzureden(!). Unglaublich, anderswo setzt die Polizei Pfefferspray und Wasser gegen Kinder ein und hier versuchen die, das mit den Chaoten auszudiskutieren. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal schreibe, aber es ist mir unverständlich, warum zu so einem wichtigen Endspiel und angesichts der großen Anzahl Stendaler hier nicht mehr Einsatzkräfte vor Ort waren. Irgendwann beruhigte es sich vorübergehend ein wenig und der Schiri pfiff das Spiel wieder an, und wollte wohl so lange nachspielen lassen, bis Lok wieder in Führung ging. Aber irgendwann wurde es dann doch zu lang und er piff ab. Da Völpke sein Spiel gewonnen hatte, hatte es der TSV am letzten Spieltag tatsächlich noch geschafft, Lok den Aufstiegsplatz wegzuschnappen.
Nach dem Abpfiff machten wir uns dann doch relativ flott auf den Weg zum Bahnhof und waren froh, dass unsere Route zurück uns über Nordhausen führen sollte und unser Zug eine halbe Stunde vor dem Zug in Richtung Magdeburg fuhr. Nachdem sich der Schreck ein wenig gelegt hatte, war man sich aber dann schnell einig: „Besser kann man den Ground nicht machen!“